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IMK-Gemeindebefragung „Kirche, die aufblüht"

Bewertung und Zusammenfassung für die CreativeKirche

Institut: IMK – Institut zur Erforschung von Mission und Kirche Erhebung: Frühjahr 2025 | Gesamtstichprobe: 579 Personen aus 14 Gemeinden (D, A, CH) CreativeKirche: 116 Befragte, 200 Mitglieder Dieses Dokument: Interne Bewertung durch Gemeindeleitung, Februar 2026


1. Einordnung der Studie und ihrer Methodik

Was ist die IMK-Studie?

Das Institut zur Erforschung von Mission und Kirche (IMK) untersucht auf Basis empirisch-soziologischer Methoden, wie Kirchengemeinden gedeihen (Flourishing). Die Studie misst kein subjektives Meinungsbild, sondern erhebt mithilfe validierter Instrumente das Wohlbefinden von Individuen und Gemeinde entlang klar definierter Dimensionen. Sie ist damit eine der wenigen empirisch fundierten Möglichkeiten, den Zustand einer Gemeinde systematisch und im überregionalen Vergleich zu bewerten.

Wichtige wissenschaftliche Begriffe

Soziodemografie Beschreibt die demografische Zusammensetzung der Befragten: Alter, Geschlecht, Arbeitsstatus, Bildung, Familienstand. Entscheidend für die Beurteilung, wie repräsentativ die Stichprobe für die tatsächliche Gemeinde ist.

Flourishing (Aufblühen / menschliches Wohlbefinden) Konzept aus der empirischen Wohlbefindens- und Religionspsychologie. Misst nicht nur Glück, sondern sechs Dimensionen: Glück & Zufriedenheit, Sinn & Erfüllung, körperliche & mentale Gesundheit, soziale Beziehungen, Charakter & Tugend, finanzielle & materielle Sicherheit. Werte auf einer Skala 0–10.

Zentralität der Religiosität Misst, wie zentral der Glaube im Leben einer Person ist – über vier Dimensionen: Ideologie (Gottglaube), Intellekt (Nachdenken über Glauben), private Praxis (Gebet), öffentliche Praxis (Gottesdienstbesuch) sowie religiöse Erfahrungen.

Konstitutiva (Wort und Sakrament) Theologischer Begriff für das, was Kirche unverzichtbar ausmacht: die Verkündigung des Evangeliums (Wort) und die Feier der Sakramente (Taufe, Abendmahl, Beichte). Diese sind nicht kontextabhängig anpassbar – sie sind Wesenskern.

Vitalia Bezeichnung für die „Lebendigkeit" einer Gemeinde in ihren Beziehungen: nach innen (IN – Gemeinschaft untereinander), nach außen (OUT – gesellschaftliches Engagement), zu anderen Konfessionen (OF – Offenheit für andere Kirchen und Traditionen) und nach oben (UP – Gottesbeziehung, Geistliches Leben).

Adiaphora Theologisch: Dinge, die nicht zum Wesenskern gehören, aber den Kontext prägen: Ehrenamt, Strukturen, Zeremonien, sowie Innovation und Exnovation – die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und Altes loszulassen.

Exnovation Der bewusste Abschied von Formaten, Strukturen oder Angeboten, die nicht mehr wirksam sind – gleichwertig zur Innovation. Eine gesunde Gemeinde kann beides: neue Wege gehen und alte Wege verlassen.

Sozialraum Bezeichnet das Wirkungsfeld der Gemeinde in der Gesellschaft: gesellschaftliche Verantwortung, organisationale Integrität und das konkrete Wirkungsprofil in der Gemeinde (Kulturangebote, Sozialangebote, Seelsorge, Beratung etc.).

Score / Prozentrang Score: Durchschnittliche Zustimmung der Befragten zu einer Aussage (Skala 1–4, wobei höhere Werte = stärkere Ausprägung). Prozentrang: Gibt an, wie viele Gemeinden im Vergleich schlechter abschneiden – Prozentrang 86 bedeutet: besser als 86 % aller verglichenen Gemeinden.


2. Demografische Einordnung

Befragte Stichprobe

Merkmal CreativeKirche Alle Gemeinden
Durchschnittsalter 63 Jahre 63 Jahre
Geschlecht ~30 % männlich, ~68 % weiblich
Rollen 36 % regelmäßig, 28 % gelegentlich, 32,5 % ehrenamtlich
Arbeitsstatus Dominiert von Angestellten und Rentnern
Bildung Mehrheitlich Hochschulabschluss (~50 %)
Zugehörigkeitsdauer Median 6–10 Jahre Median > 10 Jahre

Bewertung der Demografie durch die Gemeindeleitung

Die Stichprobe entspricht nicht dem tatsächlichen Mitgliederprofil der CreativeKirche. Deutlich unterrepräsentiert sind:

  • GROW – Gottesdienst für junge Erwachsene
  • SoulTeens – neu aufgesetzte Jugendarbeit

Es wird geschätzt, dass ca. 20 zusätzliche Rückmeldungen aus diesen Bereichen das Bild der Gemeinde treffender abgebildet hätten – insbesondere hinsichtlich Altersstruktur und Glaubensausprägung der jüngeren Generation. Die vorliegenden Daten überrepräsentieren damit die ältere, langjährig engagierte Kerngruppe.

Konsequenz für die Interpretation: Die Werte zur Religiosität, zum Wohlbefinden und zur Gemeindewahrnehmung fallen möglicherweise etwas höher aus als sie es bei vollständiger Abbildung der Jugend- und Jungerwachsenenbereiche täten. Gleichzeitig sind die Ergebnisse für die tatsächlich befragte Gruppe valide und aussagekräftig.


3. Gesamtbewertung: Gemeinde-Kennzahlen im Überblick

Dimension CreativeKirche Alle Gemeinden Bewertung
Wort 82/100 76/100 Überdurchschnittlich stark
Sakrament 71/100 72/100 Im Durchschnitt
Vitalia 72/100 69/100 Überdurchschnittlich
Adiaphora 80/100 75/100 Deutlich überdurchschnittlich

Die CreativeKirche liegt in drei von vier Kerndimensionen über dem Durchschnitt aller 14 Vergleichsgemeinden. Das ist ein klares Zeichen gemeindlicher Stärke.


4. Stärken – Was die Daten bestätigen

4.1 Innovation und Exnovation (Adiaphora: 2.55/4 ⚠️ markiert)

Der höchste Einzelwert in der gesamten Auswertung. Die Gemeinde wird von ihren Mitgliedern als bereit wahrgenommen, Neues auszuprobieren und Altes loszulassen – und das bewusst als Stärke. Dies deckt sich vollständig mit der Selbstwahrnehmung der Gemeindeleitung:

„Wir sind uns einig, dass wir unter anderem in der Lage sind, neue Dinge auszuprobieren und auch alte dann wegzulassen."

Die Daten geben dieser Einschätzung eine empirische Basis. Innovation und Exnovation sind keine Selbstverständlichkeit – viele Gemeinden tun sich schwer, bewährte Formate aufzugeben. Die CreativeKirche zeigt hier eine kulturelle Reife, die als strategischer USP bewusst gepflegt werden sollte.

4.2 Gottesdienstgestaltung (Zeremonien: 2.51, Zufriedenheit mit GoDi: ~98 %)

Fast alle Befragten sind mit der Gestaltung der Gottesdienste zufrieden. Dies wird durch die qualitativen Erfahrungsberichte eindrücklich bestätigt: Musik, Atmosphäre, Abendmahl, Worship Café und Offenheit werden immer wieder als besondere Erlebnisse beschrieben. Der Gottesdienst ist das Herzstück und wird als solches wahrgenommen.

4.3 Wort – Starke Verkündigung (82/100)

Alle vier Subdimensionen (Evangelium, Öffentlichkeit, Gemeinschaft, Zentral) liegen über dem Gesamtdurchschnitt. Besonders stark: Gespräche über den Glauben finden statt (Gemeinschaft), das Evangelium wird als wachstumsfördernd erlebt, und die Gemeinde ist für verschiedene gesellschaftliche Gruppen offen.

4.4 Abendmahl als Gemeinschaftserlebnis (Score 2.43 ⚠️)

Das Abendmahl ist in der CreativeKirche ein besonders intensives Gemeinschaftserlebnis – stärker als im Gesamtdurchschnitt. Die qualitativen Antworten bestätigen das: „Das Erleben intensiver Gemeinschaft beim Abendmahl" wird explizit als prägendes Erlebnis genannt. Dies ist ein liturgisches und spirituelles Alleinstellungsmerkmal.

4.5 Gottesbeziehung (UP: 2.36)

95 % der Befragten stimmen zu, dass sie sich durch den Gottesdienst Gott näherfühlen. Ein außergewöhnlich hoher Wert. Die Gemeinde bietet offensichtlich Räume echter geistlicher Erfahrung – dies zeigt sich auch in den qualitativen Berichten über bewegende Erlebnisse in Gottesdiensten.

4.6 Kulturelles Wirkungsprofil im Sozialraum (Prozentrang 86)

Mit 66,7 % ist die CreativeKirche im Bereich kultureller Angebote im obersten Segment aller Vergleichsgemeinden. Auch bei sozialen Angeboten (Prozentrang 79), Bildungsangeboten (79), Armutsbekämpfung (86) und Infrastruktur (86) zeigt sich ein breites gesellschaftliches Wirkungsprofil.

4.7 Hohes individuelles Wohlbefinden (7.05 / Gesamtdurchschnitt 7.08)

Die Mitglieder der CreativeKirche weisen ein sehr hohes allgemeines Wohlbefinden auf – nahezu identisch mit dem Durchschnitt aller Gemeinden. Besonders stark: Sinn & Erfüllung (7.6), Charakter & Tugend (7.6), Zufriedenheit (7.5) und finanzielle Sicherheit (7.9). Die Gemeinde hat offenbar eine positive Wirkung auf das Leben ihrer Mitglieder.

4.8 Klare Ziele und Vertrauen in die Leitung

91 % der Befragten stimmen zu, dass die Ziele der Gemeinde klar sind. 80 % vertrauen den Leitenden. Beides sind starke Indikatoren für eine handlungsfähige und vertrauensbasierte Gemeinde.


5. Baustellen – Was die Daten zeigen

5.1 Offenheit für andere Konfessionen (OF: 1.83 ⚠️ – auffälligster Ausreißer)

Der niedrigste Einzelwert im gesamten Vitalia-Bereich – und der einzige Wert, der deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt (2.06) liegt. Die Gemeindeleitung teilt die im Bericht enthaltene Kritikinterpretation dieses Wertes nicht in vollem Umfang – die gelebte Praxis der Gemeinde zeigt eine ausgeprägte Willkommenskultur auch für Mitglieder anderer Konfessionen, was die qualitativen Erfahrungsberichte eindrücklich belegen. Eine mögliche Erklärung: Die Gemeinde hat eine starke eigene Identität und Prägung, was sich in den Antworten als geringere strukturelle Orientierung an anderen Konfessionen niederschlägt – ohne dass dies im Widerspruch zur konkreten Offenheit im Alltag stehen muss.

Die Gemeindeleitung wird das Thema gleichwohl im Blick behalten, da die Wichtigkeit ökumenischer Beziehungspflege grundsätzlich gesehen und anerkannt wird.

5.2 Überlastung der Mitarbeitenden (Strukturen / Finanzen)

Die Studie zeigt: 26 % der Befragten sehen die finanzielle Situation als nicht ausreichend, um den Aufgaben der Gemeinde gerecht zu werden. Die Gemeindeleitung bestätigt diese Wahrnehmung als zentrale Baustelle:

„Baustellen und Risiken bestehen insbesondere in der Überlastung der Mitarbeitenden, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich, wenn wir da noch mehr in bestimmten Bereichen machen wollen."

Wachstum und Ausweitung von Angeboten sind ohne proportional wachsende Ressourcen (Personal, Finanzen, Zeit) nicht nachhaltig. Dies ist kein lokales Problem, sondern strukturell für viele wachsende Gemeinden typisch.

5.3 Altersgruppe 40–49 (Religiosität ⚠️)

Auffällig: In der Altersgruppe 40–49 ist der Anteil der „Hochreligiösen" deutlich geringer als in allen anderen Altersgruppen. Dies könnte auf eine spezifische Lebensphase (Beruf, Familie, Erschöpfung) hinweisen, aber auch auf strukturelle Lücken im Angebot für diese Altersgruppe. Da diese Gruppe gleichzeitig häufig das Rückgrat des Ehrenamts bildet, verdient diese Beobachtung besondere Aufmerksamkeit.

5.4 Integration Getaufter in die Gemeinschaft

Beim Aspekt „Wir kümmern uns darum, dass jede/r Getaufte in unsere Gemeinschaft hineinwächst" antworten nur 57 % positiv. Die Taufe ist ein starkes Symbol – aber die Nachsorge und Einbindung der Getauften in das Gemeindeleben scheint ausbaufähig. Insbesondere die Tauferinnerung als spirituelle Praxis ist wenig verankert.

5.5 Bewohnernetzwerk (Prozentrang 43)

Im Bereich Vernetzung mit dem lokalen Gemeinwesen liegt die CreativeKirche unter dem Durchschnitt der Vergleichsgemeinden. Dies ist ein Feld mit klarem Entwicklungspotenzial – zumal die Gemeinde in anderen Sozialraum-Dimensionen sehr stark ist.


6. Diakoniebereich – Erweiterungspotenziale

Die Gemeindeleitung hat in ihrer Diskussion explizit auf Erweiterungspotenziale im Diakoniebereich hingewiesen. Die Studie stützt diese Einschätzung:

Was bereits stark ist: - Kulturelle Angebote (Prozentrang 86) – das Stärkste im Portfolio - Soziale Angebote (Prozentrang 79) – bereits überdurchschnittlich - Bildungsangebote (Prozentrang 79)

Was Potenzial zeigt: - Beratungsangebote (aktuell 21,6 %, Prozentrang 71): Ein relativ niedriger Prozentsatz der Befragten nimmt Beratungsangebote wahr, aber der Prozentrang zeigt, dass die Gemeinde schon besser als 71 % aller Vergleichsgemeinden ist. Hier ist Wachstum möglich, ohne neu zu beginnen. - Seelsorge (aktuell 42,3 %, Prozentrang 57): Im Mittelfeld – Seelsorge ist bereits vorhanden, könnte aber strukturierter und sichtbarer gemacht werden. - Integration / Migration (28,2 %, Prozentrang 64): Die Gemeinde hat bereits Erfahrung mit interkonfessioneller Offenheit (zahlreiche Erfahrungsberichte von Mitgliedern anderer Konfessionen). Dies könnte gezielt auf Menschen mit Migrationshintergrund ausgeweitet werden.

Empfehlung (aus der Diskussion): Die Leitung betont zu Recht: Nicht „was fehlt uns noch", sondern „was können wir mit dem, was wir haben, besser machen oder ausbauen". Im Diakoniebereich bedeutet das konkret: Bestehende Angebote (Seelsorge, Beratung, soziale Dienste) qualitativ stärken und sichtbarer machen, bevor neue Strukturen aufgebaut werden.


7. Strategische Ausrichtung – Stärken stärken, keine Defizitlogik

Die Gemeindeleitung hat klare strategische Orientierung formuliert:

„Wir wollen auf gar keinen Fall dahin kommen, das fehlt noch, das fehlt noch, das fehlt noch – was in anderen Gemeinden vorhanden ist. Wir wollen unsere Stärken, unsere USPs, stärken und neue finden."

Die Studiendaten legitimieren diese Haltung empirisch. Die CreativeKirche ist keine durchschnittliche Gemeinde – sie hat ausgeprägte, messbare Stärken, die im Vergleich mit 13 anderen Gemeinden aus drei Ländern hervorstechen:

Die wichtigsten USPs laut Befragung: 1. Innovationskultur – Bereitschaft zu Wandel, Neues zu wagen, Altes loszulassen 2. Gottesdienstqualität – musikalisch, ästhetisch, atmosphärisch auf sehr hohem Niveau 3. Abendmahl als Gemeinschaftserlebnis – spirituell und relational bedeutsam 4. Einladende Kultur – Mitglieder anderer Konfessionen fühlen sich willkommen 5. Starke Verkündigung – Wort zentraler Wert, der gelebt wird 6. Gesellschaftliches Wirkungsprofil – Kulturangebote und soziales Engagement deutlich überdurchschnittlich


8. Erfahrungen der Mitglieder – Qualitative Stimmen

Die offenen Antworten im Erfahrungsdokument unterstreichen die quantitativen Befunde und zeigen emotionale Tiefe:

Wiederkehrende Themen: - Gottesdienst als Ort des Aufatmens und der Begegnung mit Gott: „Der Gottesdienst ist für mich jedes mal ein Auftanken" - Musik als spiritueller Schlüssel: „Musik ist für mich das beste Gebet", „Hohe Qualität der Musiker; berührendes Abendmahl" - Einladungskultur über Konfessionsgrenzen hinaus: „Ich habe mich von Anfang an willkommen gefühlt, obwohl ich eine andere Konfession habe" - Offenheit und Freiheit: „Diese Kirche lädt Menschen ein und diese Einladung stellt keine Bedingung" - Ehrlichkeit des Pastors: „Unser Pastor ist authentisch. Er spricht Klartext!" - Kritische Stimmen (einzeln, aber ernst zu nehmen): Sorge um Nachwuchs, wachsender Altersdurchschnitt, sowie eine Stimme, die eine Entwicklung hin zu einem „Sektengefühl" wahrnimmt


9. Alle ⚠️-markierten Auffälligkeiten im Überblick

Das IMK kennzeichnet besonders auffällige Werte mit einem ⚠️-Symbol – das können positive Ausreißer nach oben oder problematische Ausreißer nach unten sein. Hier alle markierten Werte der CreativeKirche in der Gesamtschau:

Seite Dimension Befund Richtung Einordnung
Individuum / Übersicht Teilnahmehäufigkeit ~47 % kommen 1–3× im Monat Neutral/Beobachtung Auffällig hohe Konzentration in dieser Kategorie – Bindung vorhanden, aber keine Wochenbindung
Gemeinde / Sakrament Abendmahl Score 2.43 vs. Ø 2.13 ⬆️ Positiv Abendmahl wirkt stärker gemeinschaftsbildend als im Vergleich
Gemeinde / Vitalia OF – Offenheit für andere Konfessionen Score 1.83 vs. Ø 2.06 ⬇️ Beobachtung Einziger Wert klar unter Durchschnitt; Leitung sieht gelebte Praxis als offener als der Score suggeriert – wird im Blick behalten
Gemeinde / Adiaphora In-/Exnovation Score 2.55 vs. Ø 2.17 ⬆️ Stark positiv Höchster Einzelwert; deutliches Alleinstellungsmerkmal
Gemeinde / Adiaphora Gottesdienstgestaltung ~98 % Zufriedenheit ⬆️ Ausnahme Extrem hoher Zustimmungswert
Gemeinschaftl. Wohlbefinden Vertrauen Hoher positiver Ausschlag ⬆️ Positiv Vertrauen in Leitung und Gemeinschaft besonders ausgeprägt
Sozialraum Offener Umgang mit Konflikten Score ~3.0 für CK Beobachtung Gemeinde sieht sich selbst als relativ konfliktfähig – positiv, aber auch Erwartungshaltung
Altersgruppen / Religiosität Altersgruppe 40–49 Deutlich niedrigere Hochreligiositätsrate ⬇️ Kritisch Lebensphase oder Angebotslücke? Verdient strukturelle Antwort
Individuum / Öffentliche Praxis Gottesdienstbesuch ~65 % „1–3× im Monat" Beobachtung Entspricht Gesamtdurchschnitt, aber: kein Wochenrhythmus als Norm
Individuum / Erfahrungen Gottes Eingreifen ~55 % „mehrmals am Tag" ⬆️ Stark positiv Außergewöhnlich intensive spirituelle Erfahrungsdichte
Persönl. Glaube / Finanzen Glauben und Geld ~30 % stimmen eher nicht zu Beobachtung Glaube und konkretes Finanzverhalten weniger verknüpft als andere Dimensionen
Wort / Öffentlichkeit Jugendliche Eher niedrigere Zustimmung ⬇️ Beobachtung Wahrgenommene Zugänglichkeit für Jugendliche am schwächsten in dieser Subdimension
Sakrament / Tauferinnerung „Taufe stärkt meinen Glauben" ~23 % stimmen eher nicht zu Beobachtung Taufe als persönlicher Identitätsanker noch wenig verankert
Sakrament / Tauferinnerung Tauferinnerung im Gottesdienst ~20 % selten/nie Beobachtung Liturgische Praxis der Tauferinnerung kaum etabliert
Soziodemografie Religiöse Sozialisation ~15 % kamen als Kind nur 1–2× im Jahr Beobachtung Relevanter Anteil ohne kirchliche Kindheitsprägung – Erstgenerationsglaubende

Zusammenfassung der ⚠️-Befunde

Die mit Abstand stärkste Auffälligkeit ist der OF-Wert (1.83) – Offenheit für andere Konfessionen und Traditionen. Er ist der einzige Wert, der deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt liegt und damit das einzige klare Schwächesignal in einer ansonsten überdurchschnittlichen Auswertung.

Die stärksten positiven Ausreißer sind Innovation/Exnovation (2.55) und die Zufriedenheit mit der Gottesdienstgestaltung (~98 %) – beides unterstreicht die kulturelle und liturgische Stärke der Gemeinde.


10. Detailanalyse: Das Individuum in der CreativeKirche

10.1 Wer sind die Befragten? – Religiöse Biografie

Fast alle Befragten sind getauft (nahezu 100 %). In der Kindheit besuchten: - ~40 % wöchentlich einen Gottesdienst - ~25 % monatlich - ~15 % nur 1–2× im Jahr ⚠️

Dieser letzte Wert ist bedeutsam: Rund ein Sechstel der Befragten wuchs ohne intensive kirchliche Prägung auf – sie sind „Erstgenerationsglaubende", die ihren Glauben und ihre Gemeindezugehörigkeit im Erwachsenenalter selbst gewählt haben. Das spricht für die Anziehungskraft der CreativeKirche auch auf kirchenferne Menschen.

Bildungsprofil: Die CreativeKirche hat eine auffallend hochgebildete Mitgliedschaft – rund 50 % haben einen Hochschulabschluss, weitere ~25 % Abitur. Das ist relevante Kontextinformation für Predigt- und Angebotsgestaltung.

10.2 Zentralität des Glaubens – Wie religiös sind die Mitglieder?

Dimension Befund Einordnung
Gottglaube (Ideologie) ~65 % „sehr stark", ~20 % „stark" Sehr gläubige Kerngruppe
Nachdenken über Glauben (Intellekt) ~30 % „sehr häufig", ~55 % „häufig" Reflektierter, nachdenklicher Glaube
Gebet (Private Praxis) ~42 % „mehrmals am Tag" Intensive persönliche Gebetspraxis
Gottesdienst (Öffentliche Praxis) ~65 % „1–3× im Monat" ⚠️ Regelmäßig, aber meist nicht wöchentlich
Gottes Eingreifen erleben ~55 % „mehrmals am Tag" ⚠️ Außergewöhnlich hohe spirituelle Erfahrungsdichte

Die auffälligste Zahl: 55 % erleben mehrmals täglich das Gefühl, dass Gott in ihr Leben eingreift. Das ist kein Standardwert – er deutet auf eine Gemeinschaft hin, die Glaube nicht auf den Sonntagsgottesdienst beschränkt, sondern als gelebte Alltagsdimension versteht.

10.3 Persönlicher Glaube – dimensionale Analyse

Die stärksten Werte (>90 % Zustimmung): - „Ich vertraue auf Gott, auch in schweren Zeiten" – 92 % positiv - „Aufgrund meines Glaubens kann ich mit Herausforderungen gelassener umgehen" – ~90 % - „Ich vergebe meinen Mitmenschen, auch wenn sie mich verletzt haben" – ~87 %

Der einzige deutlich schwächere Wert ⚠️: - „Mein christlicher Glaube prägt meinen Umgang mit meinen finanziellen Ressourcen" – nur ~60 % positiv, ~30 % eher nicht

Das ist eine interessante Spannung: Der Glaube ist spirituell tief verankert, beeinflusst aber den konkreten Bereich Geld und Ressourcen weniger. Dies könnte ein Thema für Glaubenswachstum (Jüngerschaft) und Gemeindeentwicklung sein.

10.4 Menschliches Wohlbefinden (Flourishing) – Details

Gesamtindex: 7.05 / 10 (Gesamtdurchschnitt aller Gemeinden: 7.08) – praktisch identisch.

Dimension Score Einordnung
Glück & Zufriedenheit 7.3 Gut
Zufriedenheit mit dem Leben 7.5 Gut
Körperliche Gesundheit 7.1 Gut
Mentale Gesundheit 7.3 Gut
Sinn im Leben 7.6 Stark
Sinnhaftigkeit des Tuns 7.6 Stark
Bereitschaft auf Glück zu verzichten 6.2 Mittelfeld
Einsatz für das Gute in schwierigen Situationen 5.7 Niedrigster Wert
Zufriedenheit mit Freundschaften 7.4 Gut
Beziehungsqualität 7.0 Gut
Finanzielle Sicherheit 7.9 Stark
Sorgen um Grundbedürfnisse 7.2 Gut

Bemerkenswert: Der niedrigste Wert (5.7) liegt bei der Frage nach dem Einsatz für das Gute in schwierigen Situationen – ein Wert, der Ausdauer und Belastbarkeit unter Stress misst. Das korrespondiert mit der von der Leitung benannten Überlastung. Die hohe finanzielle Sicherheit (7.9) deckt sich mit dem hohen Bildungsgrad der Mitglieder.

10.5 Wohlbefinden nach Altersgruppen

Das Wohlbefinden ist über alle Altersgruppen hinweg stabil und hoch – ein positiver Befund. Zwei Auffälligkeiten:

  • 40–49 Jahre: Leicht niedrigste Religiositäts- und Wohlbefindenswerte ⚠️ – klassische „Rushhour des Lebens" (Familie, Beruf, Doppelbelastung)
  • 80+ Jahre: Höchstes Wohlbefinden (~8.5) – aber nur 2 Personen in dieser Gruppe, Wert daher mit Vorsicht zu interpretieren

11. Zukunftsperspektive und Risiken

11.1 Wie schauen die Befragten in die Zukunft?

Die Studie erfasst explizit, wie die Mitglieder die Zukunft ihrer Gemeinde einschätzen:

Einschätzung Anteil
„Es geht uns richtig gut, wird so weitergehen" ~5 %
„Es geht uns ganz gut, wird so weitergehen" ~45 %
„Noch geht es gut, aber die Zukunft ist ungewiss" ~35 %
„Wir kämpfen gerade, aber es wird besser" ~10 %

Nur ~50 % der Befragten sehen die Zukunft uneingeschränkt positiv. Ein Drittel benennt Unsicherheit – das ist kein Alarmsignal, aber ein klares Signal, dass die Gemeinde keine naive Zukunftsgewissheit hat. Das deckt sich mit der nüchternen Selbstwahrnehmung der Leitung.

Auch bei der aktuellen Lage zeigt sich: Nur ~25 % finden, die Zufriedenheit treffe auf die meisten zu. ~65 % sagen „für einige". Die Gemeinde ist also zufrieden, aber differenziert – kein unkritischer Jubel.

11.2 Stabilitätsindikatoren – was hält die Gemeinde zusammen

Trotz der gemischten Zukunftserwartungen gibt es starke Stabilitätsanker:

  • Vertrauen in die Leitung: ~80 % positiv – ein außergewöhnlich hoher Wert für Institutionen in dieser Zeit
  • Klare Ziele: 91 % stimmen zu, dass die Ziele klar sind – strukturelle Orientierung ist vorhanden
  • Hohe Bindung der Kerngruppe: Median 6–10 Jahre Zugehörigkeit – keine flüchtige Verbindung
  • Starke spirituelle Erfahrungsdichte: Hohe persönliche Glaubenspraxis als Resilienzfaktor

11.3 Identifizierte Risiken

Risiko Herkunft Bewertung
Überlastung Mitarbeitende Struktur + Leitung Hoch – bestätigt durch Daten und Selbstwahrnehmung
Demografische Überalterung Soziodemografie Mittel – Ø 63 Jahre, Jugend unterrepräsentiert
Ressourcenknappheit Strukturen (26 % kritisch) Mittel – Wachstum stößt an Grenzen
Niedrige Konfessionsoffenheit (OF) Vitalia Gering/Beobachtung – Leitung sieht gelebte Offenheit als größer; Thema bleibt im Blick
40–49-Lücke bei Religiosität Altersauswertung Mittel – Ehrenamtskern in Gefahr
Taufpastoral Sakrament Gering – Einbindung nach Taufe ausbaubar
Kritische Außenwahrnehmung (Einzelstimme) Erfahrungen Gering – wird beobachtet, nicht übergewichtet

11.4 Chancen aus der Zukunftsperspektive

  • Die Gemeinde wächst: 200 Mitglieder, Tendenz steigend – trotz gesellschaftlichem Kirchenschwund ein Gegentrend
  • GROW und SoulTeens als Investition in die Zukunft – wenn diese Bereiche ihre volle Dynamik entfalten, verschiebt sich das demografische Bild signifikant
  • Die Innovationskultur ist institutionell verankert, nicht personenabhängig – das schützt vor dem Wegfall einzelner Leitungspersonen

12. Handlungsempfehlungen

Priorität 1 – Sofort / laufend

Stärken sichern, nicht verwässern - Gottesdienstqualität (Musik, Atmosphäre, Abendmahl) als nicht verhandelbare Kernidentität schützen - Innovation/Exnovation als expliziten Kulturwert benennen und weitergeben – besonders an neue Mitarbeitende - Authentizität der Leitungspersonen bewahren – die qualitativen Rückmeldungen zeigen, wie prägend das wahrgenommen wird

Überlastung strukturell adressieren - Keine weiteren Angebote ohne Ressourcenprüfung (Zeit, Geld, Personal) - Bestehende Angebote auf Wirkung prüfen und ggf. bewusst beenden (Exnovation!) - Ehrenamt gezielter fördern – Daten zeigen Bereitschaft, aber auch Grenzen

Priorität 2 – Mittelfristig (6–18 Monate)

Jugend und junge Erwachsene (GROW, SoulTeens) - Nächste Befragungsrunde aktiv in GROW und SoulTeens kommunizieren - Zielgruppenspezifische Angebote evaluieren: Treffen sie die Lebensrealität der 15–35-Jährigen? - Altersgruppe 40–49 gesondert in den Blick nehmen: Gibt es ein Angebot für die „Rushhour"-Phase?

Konfessionsoffenheit (OF) im Blick behalten - Kein akuter Handlungsbedarf aus Sicht der Leitung – gelebte Praxis wird als offen erlebt - Ökumenische Kontakte und Kooperationen weiter pflegen, ohne dass dies zu einer strukturellen Priorität gemacht werden muss - Den Wert bei zukünftigen Befragungen beobachten: Bestätigt er sich, lohnt eine vertiefte Diskussion

Taufpastoral stärken - Tauferinnerung als liturgisches Element regelmäßig einbauen (z. B. Jahrestauferinnerungen) - Nachbegleitung Getaufter: Mentoren, Einbindung in Kleingruppen, persönliche Kontakte in den ersten 6 Monaten

Priorität 3 – Langfristig / strategisch

Diakoniebereich ausbauen - Seelsorge sichtbarer machen (Kommunikation, Zugangswege) - Beratungsangebote qualifizieren – nicht ausweiten, sondern vertiefen - Ökologische Verantwortung: kleines Feld, aber gesellschaftlich zunehmend relevant

Wirkungsprofil kommunizieren - Die Studie liefert belastbare Zahlen: Prozentrang 86 bei Kulturangeboten, 79 bei sozialen Angeboten – das ist ein Ergebnis, das nach außen kommuniziert werden kann (Öffentlichkeitsarbeit, Förderanträge, Kooperationspartner)

Bewohnernetzwerk aufbauen (Prozentrang 43 – Nachholbedarf) - Kirche als Ort im Quartier sichtbar machen - Niedrigschwellige Begegnungsformate für Nicht-Mitglieder (Kaffee-Ecke, Kulturveranstaltungen, etc.)


13. Gesamtfazit

Die CreativeKirche ist eine vital aufblühende Gemeinde mit klaren Stärken, einer ausgeprägten Innovationskultur und einem hohen Maß an individueller Glaubenszentralität bei ihren Mitgliedern. Die IMK-Studie bescheinigt ihr in drei von vier Kerndimensionen überdurchschnittliche Werte.

Die vorliegenden Ergebnisse entsprechen dem Selbstbild der Gemeinde. Wo die Studie herausfordert – Überlastung der Mitarbeitenden, Unterrepräsentation jüngerer Altersgruppen, Offenheit gegenüber anderen Konfessionen – sind das Themen, die in der Leitungsebene bereits bekannt sind.

Die Gemeindeleitung fasst zutreffend zusammen: Es geht nicht darum, Lücken zu schließen, die andere definieren. Es geht darum, das Eigene zu kennen, zu pflegen und weiterzuentwickeln – mit dem Bewusstsein, dass Wachstum auch Grenzen hat und Überlastung eine reale Gefährdung ist, der mit Struktur, Entlastung und strategischer Prioritätensetzung begegnet werden muss.


Erstellt: Februar 2026 Grundlage: IMK-Auswertung „Kirche, die aufblüht" (Frühjahr 2025), Erfahrungsdokument CreativeKirche, Diskussionsprotokoll Gemeindeleitung Vertraulich – nur zur internen Verwendung innerhalb der CreativeKirche